Die christliche Kirche - eine verfolgte Kirche
In den letzten Tagen habe ich, Anita, mich durch 2ooo Jahre Kirchengeschichte gekämpft. Und wie oft saß ich am Schreibtisch und hätte weinen können über all das Leid, das Menschen, die sich zu Jesus Christus bekannten, über sich ergehen lassen mussten. Christenverfolgungen fanden zwar nicht durchgehend oder an jedem Ort statt. Doch wo sie passierte, da war sie grausam und erbarmungslos. Da waren die Christen im 1. Jh., die von den römischen Machthabern in Zirkusarenen mit Tierfellen bekleidet wurden, um dann von Hunden zerfleischt zu werden, sie wurden gekreuzigt oder bei lebendigem Leib abends als ‘Fackeln’ angezündet, um die Nachtzu erhellen.
Im 3. Jh. wurden unter Kaiser Diolektian christliche Kirchen niedergerissen und Christen wurden gefoltert, um sie zu zwingen, den Glauben abzusagen. Da waren die Waldenser und viele anderen ernsten Christen im Mittelalter, die als sog. ‘Ketzer’ der Inquisition zum Opfer fielen.

Die schlimmsten Christenverfolgungen waren bzw. sind jedoch, man glaubt es kaum, in einem Zeitalter, in dem Fortschritt, Toleranz, Geistesfreiheit und Humanität groß geschrieben wird, in der Neuzeit.
Während der Französischen Revolution mussten 30 000 Priester ins Ausland fliehen, einige gingen in den Untergrund, von denen 1792 bei den Septembermorden in Paris 245 auf dem Schafott landeten.
Er vor rund 100 Jahren wurden die Armenier, übrigens das älteste Volk der Erde, zu Hunderttausenden in einem Völkermord vernichtet.
In Spanien und Mexiko wurden Tausende von Priestern, Mönchen und Nonnen verjagt oder getötet.
Im deutschen Nationalsozialismus standen die deutschen Kirchen, katholischer- wie auch evangelischerseits vor einer Zerreiß- und Bewährungsprobe. So kann man in einem aufgezeichneten Gespräch Hitlers mit Vertrauten nachlesen: “… Das wird mich nicht abhalten, das Christentum mit Stumpf und Stil, mit allen seinen Fasern auszurotten…”. Die Pfarrer/Priester, Oberkirchenräte und Bischöfe wurden abgesetzt und durch sog. ‘Deutsche Christen’ ersetzt. Die Kirchen wurden der Staatsmacht unterworfen. Hunderte von Pfarrer, die sich widersetzt hatten, wurden verhaftet und in Konzentrationslager überführt. Man wollte der Kirche jede Wirkung auf die Öffentlichkeit nehmen. So wurde z.B. christliche Diakonie untersagt und christlichen Verlagen wurde die Papierzustellung abgeschnitten.
Besonders aufhorchen ließ mich, was mit der christlichen Kinder- und Jugendarbeit gemacht wurde: Die evangelischen Jugendorganisationen wurden in die Hitlerjugend eingegliedert, Religionsunterricht, Andachten und Gottesdiensten an Schulen wurden untersagt (ähnlich wurde es unter dem Bolschewismus in Russland gehandhabt).
Die Widerstandsbewegung des sog. ‘Pfarrernotstandes’ und die ‘Bekennende Kirche’, die unter Einsatz ihres eigenen Lebens gegen die nationalsozialsitische Weltanschauung und ihren Antisemitismus gekämpft hat, schrieb 1945 in ihrem ‘Stuttgarter Schuldbekenntis’.:
“…wir wissen uns mit unserem Volk nicht nur in einer gro0en Gemeinschaft der Leiden, sondern auch in einer Solidarität der Schuld. Mit großem Schmerz sagen wir: durch uns ist unendliches Leid über viele Völker und Länder gebracht worden. Wohl haben wir lange Jahre hindurch im Namen Jesu
Christi gegen den Geist gekämpft, der im nationalsozialistischen Gewaltregiment seinen furchtbaren Ausdruck gefunden hat
… aber wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.”
Einer der Mitunterzeichner und Verfasser war Martin Niemöller, Gründer des ‘Pfarrernotbundes’ und führender Vertreter der ‘Bekennenden Kirche’. Er brachte selbst jahrelang als ‘persönlicher Gefangender’ Hitlers im Konzentrationslager zu.

Martin Niemöller (1892-1984)
Die christliche Kirche war und ist bis heute eine verfolgte Kirche, wenn auch nicht immer wie zur Zeit in unseren Landen, äußerlich sichtbar. Sie ist Anfrage und Kritik an uns Wohlstands- und Konsumchristen heute. Wo machen wir den Mund auf, wo Unrecht geschieht, wo das christliche Bekenntnis verwässert oder untergeht?
Hätten wir damals gelebt, hätten wie die Stuttgarter Erklärung unterzeichnen können oder hätten wir uns auf die (bequemere) Seite der sog. ‘Deutschen Christen’ gestellt?
Wie ist das mit den Hunderttausenden ungeborenen Kindern jährlich, die in Deutschland das Licht der Welt nicht erblicken dürfen? Wer spricht für Menschen, die nicht sprechen können?
Wie ist es mit dem Religionsunterricht in manchen Bundesländern bestellt? Verschwindet er bald zugunsten eines ‘weltanschaulich neutralen’ Religionsunterrichts heimlich, still und leise aus den Curricula? Man nennt ihn dann einen ‘Werteunterricht’, ‘Lebenskundeunterricht’ oder LER (Lebensgestaltung/Ethik/Religion)- Unterricht wie es ihn schon in manchen nördlichen Bundesländern als Pflichtfach gibt (Religionsunterricht kann z.T. freiwillig zusätzlich besucht werden, aber welcher Schüler macht das schon, angesichts des immer höher werdenden Leisungs-und Zeitdrucks, gerade in den höheren Klassen?). Ich frage mich: Welche Werte werden überhaupt vermittelt und auf welchem Fundament stehen sie? Aber das ist ein anderes Thema.

Anita
Matthias (admin) am 30. May 2007 in Glaube, Studium und Arbeit
